Thiago, Bayerns wichtigster Spieler

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Thiago Alacantara war bereits der Wunschspieler von Pep Guardiola bei seinem Amtsantritt 2013. Da er in Barcelona nicht mehr benötigt wurde, bekamen ihn die Bayern recht günstig. Bereits schnell zeigte er seine ganze Klasse, aber auch einen der Gründe, wieso Barcelona nicht unbedingt länger auf ihn setzen wollte, seine Verletzungsanfälligkeit. In den drei Jahren unter Guardiola war Thiago selten lange fit. Wenn er spielte war er meist gut, jedoch stach er nicht so heraus wie mittlerweile unter Carlo Ancelotti. Unter dem Italiener ist Thiago der aktuell wichtigste Spieler der Bayern. Mit Carlos Ankunft verschwand das präzise Positionsspiel. Das Ballbesitzspiel ist etwas freier, während sich einige Spieler dadurch schwerer tun, schafft es Thiago überragende Leistungen abzurufen.

„Thiago oder nix“

-Pep Guardiola

Eine seiner größten Stärken ist das kreieren von Verbindungen, um ein flüssiges Kombinationsspiel zu ermöglichen. Er bietet sich häufig richtig an, um seinen Mitspielern eine passende Anspielstation zu geben. Hier hilft ihm einerseits sein gutes Gespür für den Raum der besetzt werden muss und andererseits seine Fähigkeiten, auch auf engen Räumen den Ball zu behaupten und Situationen ohne Ballverlust zu lösen.

Häufig bewegt er sich nur wenige Meter, um sich aus dem Deckungsschatten seines Gegenspielers zu lösen und eine zusätzliche Anspielstation darzustellen.

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Hier wird David Alaba attackiert. Der Mittelfeldspieler bewachte zuerst Thiago, versuchte nun aber den Spanier in seinen Deckungsschatten zu nehmen und so Alaba unter Druck zu setzten. Thiago machte eine kurze Täuschung nach vorne, um sich dann kurz fallen zu lassen und eine diagonale Anspielstation für Alaba zu schaffen. Dabei positioniert er sich clever zwischen zwei Gegenspieler und hat im Rücken Raum um sich bei einem Pass von Alaba zu drehen und das Spiel zu verlagern.

Darüber hinaus ist er Strukturgeber und sorgte vor allem gegen Leipzig maßgeblich dafür, dass Bayerns Kombinationsspiel lief, und man immer wieder gefährlich in den Strafraum kam.

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Seit dem Guardiola und sein Positionsspiel nicht mehr in München weilen, hat Bayern gelegentlich Probleme mit ihrer Struktur in Ballbesitz. Meist sind die Räume nicht gleichmäßig besetzt, Bayern isoliert sich beispielsweise auf dem Flügel, dadurch wird es schwieriger die Defensive des Gegners zu knacken.

Thiago ist einer der wenigen Spieler, die nicht unbedingt feste Strukturen brauchen, da er es schafft sich so zu positionieren, dass er meist mehrere Anspielstationen hat und gleichzeitig Druck auf die Verteidigung durch seine Positionierung macht. In der oberen Situation erhält David Alaba den Ball auf dem Flügel, Douglas Costa bewegt sich in die Mitte als kurze Anspielstation, Thiago schiebt nach einer Verlagerung mit auf die linke Seite, Thiago reagiert sofort auf die Positionierung von Douglas Costa und bietet sich diagonal im Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr an, um Alaba zu unterstützen. Durch Thiagos Position, kann die Verteidigung nicht so weit vorrücken, außerdem hat Bayern eine Anspielstation im Zwischenlinienraum.

Thiago der Dribbler

Wie bereits erwähnt ist Thiago extrem stark unter Druck und deshalb auch eine sichere Anspielstation in engen Räumen. Er wird nicht nur gesucht um zu enge Situationen zu lösen, sondern auch, um Räume zu öffnen und die Abwehr des Gegners zu knacken. Gegen Leipzig lief Thiago als Zehner in einem 4-2-3-1 auf und bewegte sich zumeist zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners. Durch seine Fähigkeiten unter Druck konnte er schnell Bälle weiterleiten, Gegner anlocken, ausspielen, die dadurch geöffneten Räume konnten seine Mitspieler oder er selbst nutzen. Interessant sind die Finten die Thiago unter Druck nutzt. Thiago kommt aus der berühmten Jugendakademie La Masia. 2005 wechselte er im Alter von vierzehn in die Jugendabteilung der Katalanen. Schon dort wurde ihm beigebracht wie er sich in Bedrängnis verhalten muss bzw. wie er überhaupt nicht ungewollt in solche Situationen kommt.

Thiago hat ein großes Repertoire an Finten, die er nutzt um aus Drucksituationen herauszukommen. Er nutzt nur selten spektakuläre Tricks wie etwa früher ein Ronaldinho. Vielmehr sind es nur Körpertäuschungen und Richtungswechsel, die den Gegner aus dem Gleichgewicht bringen sollen.

Beispielsweise bewegt er seinen Oberkörper nach rechts und dann nach links, um schlussendlich den Ball mit der Außenseite seines rechten Fußes nach rechts zieht. Der Gegner wurde aus dem Gleichgewicht gebracht und Thiago benötigte nur einen Kontakt, um den Zweikampf zu gewinnen.

Statt den Ball mit dem Außenrisst mitzunehmen, kann Thiago den Ball auch mit der Solle mitnehmen, dabei zieht er den Ball aber nicht diagonal am Gegner vorbei, sondern bewegt den Ball horizontal vor seinem Körper, wenn der Gegner auf die Täuschung hereinfällt, macht er einen kurzen Sprint und schiebt seinen Körper zwischen Ball und Gegner. Doch wenn der Gegner nicht auf die Täuschung hereinfällt, spielt Thiago mit links einen Pass oder legt ihn mit links am Gegner vorbei. Dies passiert alles in einer Bewegung, sodass der Gegner nur schwer auf den Pass mit links reagieren kann.

Eine weitere seiner Finten ist ein Trick, den bereits Zinedine Zidane benutzte. Den Roulette. Wenn der Gegner gerade das Bein ausfährt, um den Ball wegzuspitzeln, steigt Thiago auf den Ball und nimmt ihn mit einer 180 Grad Drehung mit. Durch den Ausfallschritt verliert der Gegner sein Gleichgewicht und kann nicht mehr reagieren, wenn Thiago den Ball um das Bein dreht.

Auch hat sich Thiago einen Trick bei einem ehemaligen Mannschaftskollegen abgeschaut. Der typische Trick von Andres Iniesta heißt „La Croqueta“. Hierbei wartet man, bis man sehr nahe an seinem Gegner ist, und dieser wieder versucht den Ball zu bekommen. Fährt er sein Bein aus zieht man den Ball in einer fließenden Bewegung vom einem zum anderen Fuß und startet in den freien Raum. Oft genug baut Thiago auch noch einen Übersteiger ein.

Das Sichtfeld

Typisch für die Spieler aus Barcas Jugendakademie, ist der ständige Überblick über das gesamte Feld. Raum, Ball, Gegner und Mitspieler werden die ganze Zeit beobachtet. In „La Masia“ gibt es eine Regel. Wenn sich ein Spieler vor der Ballannahme nicht umgeschaut hat, darf er den Ball nur in seinem momentanen Sichtfeld abspielen. So sollen Ballverluste und Missverständnisse zwischen den Spielern verhindert werden.

Xavi beherrscht dies perfekt. Er schaut sich ständig um, damit er das komplette Spielfeld im Blick hat. Er selber sagte bereits, dass er im Grunde genommen ständig nur auf der Suche nach Raum sei und sich deshalb die ganze Zeit umschaut, um den besten Raum für seine Aktionen oder für die Aktionen seiner Mitspieler finden kann.

Thiago beherrscht dies als Schüler der Barca Akademie natürlich auch. Wie Xavi versucht Thiago immer den Überblick über das ganze Spielfeld zu haben. Er verliert auch deshalb wenige Bälle und kann sich mit geschickten Dribblings aus Drucksituationen in freie Räume manövrieren. Das unterscheidet ihn von den anderen Mittelfeldspielern bei Bayern.

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Diese Szene zeigt wunderbar, wie Thiago die Situation und die Staffelung des Gegners überblickt, und das nicht präzise Verschieben der Leipziger in dieser Situation erkennt. Nach einem Fingerzeig an Alonso und einer kurzen Auftaktbewegung, um den Gegner zu täuschen, bewegt er sich leicht in den Raum und erhält einen präzisen Pass von Alonso. Schlussendlich verliert Thiago den Ball in dieser Szene gegen drei Gegenspieler, da seine Ballannahme zu sehr in Richtung der gegnerischen Verteidiger geht. Allerdings stimmte in dieser Szene auch einfach die Struktur des Bayern Offensivspiels nicht.

Thiagos Passspiel

Thiago verfügt wie jeder La Masia Absolvent über ein sehr gutes Passspiel. Im Vergleich zu vielen anderen ist sein Passspiel allerdings doch außergewöhnlich. Er gibt dem Ball immer wieder einen verschiedenen Spin, dreht ihn so an Gegnern vorbei oder befördert den Ball mit der richtigen Stärke zum perfekten Zeitpunkt in den offenen Raum zu seinem Mitspieler. In seiner Anfangszeit als Profi oder auch noch bei Bayern war er teilweise zu verspielt, seine Pässe zu kompliziert und für seine Mitspieler schwer zu kontrollieren, mittlerweile sind seine Pässe klarer und noch präziser, zwar kommen immer noch seine brasilianischen Triebe zum Vorschein, jedoch sind auch diese Pässe mittlerweile zielführender.

Thiago kann starke Pässe mit sauberem Timing zwischen die Linien spielen oder auch unter Druck eine Situation auflösen. Seine größte Stärke ist aber das weiterdenken von Spielsituationen und die gute Übersicht.

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Bayern steht hier massiv unter Druck, für Hummels sind alle kurzen Anspielstationen zugestellt. Thiago lässt sich fallen um zu helfen und erhält den Ball. Viele würden den Ball entweder auf Hummels oder Alonso prallen lassen, die dann beide schnell unter Druck gesetzt werden könnten, Thiago spielt sofort die Verlagerung mit dem ersten Kontakt. Martinez hat nun Platz und kann mit dem Ball vorrücken. Eine Verlagerung über Alonso wäre auch möglich gewesen, jedoch sieht Thiago, dass Alonso recht schnell unter Druck gesetzt werden kann. Sein Umblickverhalten hilft ihm auch hier, da er schneller Entscheidungen treffen kann und Situationen so schnell löst.

Thiagos Passspiel kann man als Symbiose seine verschiedenen hier beleuchteten Stärken sehen. Wie bereits erwähnt hilft ihm sein Umblickverhalten beim schnellen entscheiden. Des Weiteren versucht er stehts eine Struktur zu schaffen, um als Anspielstation zu fungieren, und gleichzeitig selbst genug Anspielstationen zu haben.

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Hier bietet sich Thiago wieder geschickt für Douglas Costa an, der bei seinem Dribblingsversuch sicherlich den Ball verloren hätte, Thiago löst die Situation schnell mit dem ersten Kontakt, auch weil er unter Druck enorm sicher und ruhig am Ball ist.

Darüber hinaus kann Thiago auch einfach eine Menge am Ball und hat wahnsinnige Pässe in seinem Repertoire, die präzise und gefährlich für den Gegner sind.

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Letztes Jahr in der Champions League ließ ihm Arsenal zu viel Platz und Thiago chippte den Ball genau in den Raum vor Peter Cech, Lewandowski löste sich und traf zum 1:0. Diese Chippbälle spielt Thiago gerne, wenn sie so präzise gespielt sind, sind sie schwer zu verteidigen und unheimlich effektiv, um eine tiefe Abwehr zu knacken.

Thiago kann Bayerns Zehner Problem lösen

Seit der Amtsübernahme von Carlo Ancelotti spielte Bayern meist in einem 4-3-3, aufgrund der breiten Achter und der Außenverteidiger an der Linie, mussten die Flügelspieler einrücken, um in der Mitte, vor allem im Zehnerraum für Präsenz zu sorgen, da aber die meisten Flügelspieler bei Bayern sich auf dem Flügel wohler fühlen und dort auch ihre Aktionen starten, gab es meist im Zehnerraum ein großes Loch bei den Münchnern. Mittlerweile stellte Ancelotti bereits auf ein 4-2-3-1 mit Thomas Müller hinter Robert Lewandowski um, Müller hatte mehr Freiräume und agierte speziell mit Arjen Robben sehr gut im rechten Halbraum. Auf der Zehn hat Müller mehr Freiheiten, kann sich viel bewegen, Räume freiziehen bzw. die Richtigen besetzten. Allerdings ist er nicht die beste Anspieloption zwischen den Linien für ein flüssiges Aufbauspiel von hinten heraus. Mit Thiago wurde gegen Leipzig eine ideale Lösung gefunden. Thiago schaltete sich gegen die Bullen nur gelegentlich in den Spielaufbau ein. Oft besetzte er die Räume zwischen den Linien, sorgte für Anspielstationen und gelungene Verlagerungen. Unter Druck kann er wie bereits mehrfach erwähnt viele Bälle behaupten, gefährliche Pässe spielen und den Gegner aus seiner Position ziehen. Mit Thiago als zentralen Verbindungsgeber, haben die Bayern wieder eine bessere Struktur in Ballbesitz und schaffen es so den Gegner besser unter Druck zu setzen und die Defensivreihen der meisten Teams zu knacken.

Abschließend lässt sich sagen, dass Thiago aufgrund seines guten Raumgefühls, seines Umblickverhaltens und der guten Ballkontrolle schwierig zu pressen ist. Er hat durch seine geschickte Positionierung meist zwei Anspielstationen und kann auch unter Druck Situationen sinnvoll und sauber lösen. Aufgrund dieser Fähigkeiten und der Tatsache, dass er dauerhaft viele Verbindungen herstellt und so das Kombinationsspiel der Bayern verbessert, macht ihn zu einer sehr guten Option auf der Zehn und zu einem argen Konkurrenten für Thomas Müller im Kampf um die Startplätze in den wichtigen Spielen.

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