Die Robbery Nachfolge

Beim FC Bayern München steht ein Generationenwechsel bevor, in den letzten beiden Artikeln habe ich mich bereits mit den Nachfolgern für Philipp Lahm und Xabi Alonso beschäftigt, nun widme ich mich dem wichtigsten Thema in Sachen Transfers der letzten Jahre beim FC Bayern, der Nachfolge von Arjen Robben und Franck Ribery.

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Ich werde mich hier darauf konzentrieren, die drei meist gehandelten Neuzugänge für die Flügelposition des FC Bayerns kurz zu beleuchten, und anschließend noch ein paar interessante Namen nennen, auf die man ein Auge haben sollte, jedoch sind nicht alle davon unmittelbar für den FC Bayern interessant.

Wer mehr über das Zustandekommen der Spider Graphs erfahren will, dem sind die Artikel von Ted Knutson auf statsbomb.com ans Herz zu legen, in meinem ersten Artikel ging ich darüber hinaus ebenfalls auf das Erstellen meiner Grafiken ein.

Die aktuellen Nachfolger

Nach einer enttäuschenden Saison 2014/2015 erkannte man beim FC Bayern, dass Alternativen zu den verletzungsanfälligen Ribery und Robben notwendig sind. Ohne die Beiden war man beinahe chancenlos im Champions League Halbfinale gegen den FC Barcelona.

Arjen Robben

 

Franck Ribery

Im Sommer 2015 wurde mit Douglas Costa eine Alternative verpflichtet, die in der ersten Halbserie zeigte, dass sie einmal Ribery oder Robben ersetzen könnte. Douglas Costa spielte eine herausragende erste Halbserie und wurde schnell zu einem der Publikumslieblinge. Nach einer Verletzungspause landete der Brasilianer relativ schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen, seine Leistungen waren nun nicht mehr so konstant und er wirkte nicht wie der Spieler in der Hinrunde, der Spiele durch seine schnellen Dribblings entscheiden konnte. Auch in dieser Saison, in der Costa meist Stammspieler war, schaffte er es nicht an das Niveau seine Anfangszeit in München heran zu kommen. Neben seinen durchschnittlichen Leistungen, helfen Aussagen in den Medien über seine zu kleine Rolle beim FC Bayern ihm nicht wirklich sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Douglas Costa

Sein Radar spiegelt den Eindruck, den viele von Douglas Costa haben recht gut. Er ist ein starker Dribbler, der Verteidiger im 1vs1 stehen lassen kann, der allerdings es nicht schafft seine Dribblingfähigkeiten in Abschlüsse und gute Pässe umzumünzen. Douglas Costa ist in nur einer Kategorie wirklich unterdurchschnittlich schlecht. Er verliert recht viele Bälle (Kategorie Dispossessed per 50% possession). Häufig liegt es daran, dass Costa nicht über die beste Spielintelligenz verfügt und somit sich in falsche Räume bewegt oder Bälle falsch mitnimmt. Sobald er in ein Dribbling kommt, ist er aufgrund seiner feinen Technik jedoch nur schwer vom Ball zu trennen.

Problematisch ist seine Produktivität, er erzielt wenige Tore, liefert wenig Assists auch aufgrund einer niedrigen Anzahl von Key Passes. Dass er dieses Jahr noch nicht zu stark spielt kann man zu einem kleinen Teil auch an Carlo Ancelottis Art zu spielen festmachen. In Costas erstem halben Jahr fokussierte Pep Guardiola die Flügelspieler besonders und so erhielt Costa viele 1vs1 Situationen und konnte dort seine Stärken ausspielen. Jedoch sollte man seine schwache Form nicht an Carlo Ancelotti fest machen, der bei aller Kritik zu Saisonbeginn im Verlauf der Rückrunde einige Anpassungen machte und die Bayern Mannschaft vor den Spielen gegen Real Madrid wieder in Form brachte.

Woran es liegt, dass Costa nicht an seine Performances der ersten Hinrunde in München anknüpfen kann, ist weiterhin nicht klar, eventuell war sein Beginn in München nur ein Leistungsausreißer nach oben. Und mittlerweile zeigt er sein normales Leistungsvermögen, um aber als Nachfolger von Franck Ribery gesehen zu werden, muss er langfristig wieder an das Niveau seiner ANfangszeit herankommen. In der entscheidenden Phase dieser Saison war Costa verletzt, bzw nach seiner Verletzung noch nicht richtig fit. Bei seinen Einwechslungen gegen Real Madrid konnte er kaum Akzente setzten. Es ist recht wahrscheinlich, dass sich die Wege des FC Bayern und Douglas Costa im Sommer trennen.

 

Der zweite Mann der längerfristig Robbery ersetzen soll, ist Kingsley Coman. Ende April zog der FC Bayern die Kaufoption für den davor von Juventus ausgeliehenen Franzosen. Nach einer schwierigen Saison ohne echte Sommerpause aufgrund der EM in seinem Heimatland und langwierigen Verletzungen, konnte Coman gegen Ende der Saison bei seinen Auftritten zumindest sein Potenzial immer wieder aufblitzen lassen und sich gegen Ende der Saison in einer besseren Form befand als Douglas Costa. Coman scheint auch in den Augen der Verantwortlichen die vielversprechendere Alternative zu Arjen Robben oder Franck Ribery zu sein.

Kingsley Coman

Kingsley Coman 15-16

Seine klare Stärke ist das Dribbling. Letztes Jahr wurde er unter Guardiola als breiter Flügelspieler perfekt eingesetzt und profitierte ähnlich wie Douglas Costa von der Fokussierung der Flügel in Guardiolas Angriffsschema.

Vergleicht man die beiden Radare sticht vor allem Comans gestiegene Fokussierung auf den Abschluss ins Auge, zum einen kann dies an der Weiterentwicklung seines eigenen Spiels liegen, zum anderen an den taktischen Veränderungen unter Carlo Ancelotti.

Kingsley Coman lebt speziell von seiner Schnelligkeit, seine Dribblings sind geprägt von vielen Körpertäuschungen, die den Gegner aus dem Gleichgewicht bringen sollen und ihm den Vorteil auf den ersten Metern im Sprintduell geben. Allerdings ist sein Dribbling noch nicht auf einem konstanten Niveau, zu oft sind seine Aktionen noch zu durchsichtig oder er trifft die falschen Entscheidungen, in welche Räume und wann er dribbeln sollte.

Schafft er es allerdings am Gegenspieler vorbei, war er letzte Saison besonders gefährlich, wenn er in den Sechzehner zog und scharfe Pässe in die Mitte spielen konnte. Dies wird an seiner überdurchschnittlich hohen Assist Quote deutlich.

Mögliche Zugänge

Einer der heißesten Kandidaten für die Flügelposition des FC Bayern ist sicherlich Julian Brandt. Bereits vor seinem Wechsel nach Leverkusen sollte der FCB angeblich bereits Interesse gehabt haben. Jahr für Jahr entwickelte sich Brandt in Leverkusen gut voran und rückte so immer mehr in den Fokus als Ribery oder Robben Nachfolger.

Julian Brandt

Brandts Radar zeigt einen Spieler, der bereits in jungen Jahren in so ziemlich jeder Kategorie mindestens zum Durchschnitt der Flügelspieler in Europas Topligen gehört. Besonders seine Kreativität sollte den FC Bayern fast schon zum Handeln zwingen. Brandt ist unter Druck stark, schafft es häufig in den Zwischenlinienraum zu gelangen und ist in der Lage seine Teamkollegen mit guten Pässen in Szene zu setzten. Seine schwächere Dribblingquote kann zum einen an der etwas chaotischen Spielweise der Leverkusener unter Roger Schmidt liegen, zum anderen liegt bei Julian Brandt noch jede Menge Potenzial brach. Er muss sich nicht nur im Dribbling, sondern auch was seine Torgefahr angeht weiter verbessern. Jedoch sind die Anlagen für eine erfolgreiche Karriere sicherlich da.

 

Serge Gnabry

Ein anderer talentierter junger Deutscher wird auch seit Anfang der Saison mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht. Nach seinem Wechsel zu Bremen hieß es, dass Serge Gnabry bereits einen Vorvertrag bei den Bayern unterschrieben haben sollte bzw. die Münchner ein Vorkaufsrecht für den ehemaligen Arsenal-Profi besitzen würden.

Serge Gnabry

Serge Gnabry spielt seit seinem Wechsel nach Bremen auf einem konstant hohen Niveau. Wie auch Julian Brandt schafft es Gnabry durch gute Pässe (Key Passes) seinen Mitspielern Abschlüsse zu ermöglichen. Bremens Krise in der Hinrunde könnte zu seiner schwachen Assist-Quote geführt haben, jedoch ist Gnabry im Vergleich zu Brandt auch selbst deutlich torgefährlicher, er schafft es sich konstant Chancen zu erspielen und nutz diese auch regelmäßig. Vor allem Gnabry können die Bremer danken, dass sie in der Hinrunde noch punkten konnten. Die Dribbling % vom Ex-Stuttgarter ist zwar schlechter als die von Brandt (Gnabry liegt 0,91 unter dem Durchschnitt), jedoch geht er viel häufiger ins Dribbling als Julian Brandt. Vergleicht man die beiden Youngstars lässt sich diese Saison konstatieren, dass Gnabry besonders in der Hinrunde deutlich stärker als Julian Brandt spielte und zu recht auch ein Thema beim Fc Bayern als bezahlbare Alternative für Ribery und Robben gehandelt wird.

Alexis Sanchez

Entscheidet sich der FC Bayern am Ende für die Alternative „fertiger Spieler“? Alexis Sanchez ist mit seinen 28 Jahren bereits auf dem Zenit seines Schaffens. Bei Arsenal ist der Chilene die tragende Figur. Auch gegen den FC Bayern konnte Alexis treffen, allerdings war auch er bei den beiden desaströsen Auftritten der Londoner gegen den FC Bayern kaum in Form und konnte auch mangels Unterstützung selten Gefahr ausstrahlen. Jedoch spielt Alexis sonst eine sehr starke Saison und ist der Spieler, der bei Arsenal die Hoffnung für eine Teilnahme an der Champions League in der nächsten Saison lange aufrecht hielt.

Alexis Sanchez

Sanchez Radar zeigt seine ganze Stärke in dieser Saison, er ist überdurchschnittlich gut wenn es darum geht Schüsse aufs Tor abzugeben, seine „Goal Conversation“ ist nicht ganz so stark, dies kann aber aufgrund der hohen Anzahl der Schüsse liegen, die Alexis Sanchez aufs gegnerische Tor abgibt. Aber Alexis ist nicht nur stark im Abschluss, er hat auch das Auge für seine Mitspieler, bei Torvorlagen und „Key Passes“ liegt er deutlich über dem Durchschnitt und ist eine der herausragenden Spieler. Bei Arsenal kommt er diese Saison vermehrt im Sturmzentrum zum Einsatz, spielte aber früher bereits auf dem Flügel und konnte auch dort gute Leistungen für den FC Barcelona und Arsenal zeigen. In England legte Alexis Sanchez darüber hinaus an Maße zu und ist gegen viele Verteidiger aufgrund seines kompakten Körperbaus im Vorteil. Alexis Sanchez wäre ein Topstar und eine Verpflichtung, die die Münchner sofort stärker machen würde. Nicht ohne Grund ist Sanchez Ablösesumme mit 65 Millionen Euro sehr hoch und würde eine neue Rekordtransfersumme für den Rekordmeister darstellen.

Alexis Sanchez würde die Bayern bereits nächste Saison sofort verstärken, allerdings wird er mit seinen 28 Jahren auch nicht mehr so lange auf Topniveau spielen können. Mit Sanchez würde man den Umbruch nicht einleiten, sondern nur etwas verzögern, für Spieler wie Kingsley Coman wäre eine Verpflichtung von Alexis Sanchez ein weiterer Spieler der viele Einsatzminuten abgreifen würde.

Jedoch ist Sanchez im Vergleich zu Ribery und Robben noch nicht über seinen Zenit hinaus. Er könnte einer der Spieler sein, die den Unterschied ausmachen. Aufgrund seiner Fähigkeit auf dem Flügel und im Sturmzentrum auflaufen zu können, würde er den bayrischen Kader etwas variabler gestalten, als Backup für Lewandowski oder Stammspieler auf dem Flügel wäre der Chilene sicherlich eine Verstärkung.

Weitere interessante Namen

Zwei weitere junge Spieler, die in Europa hoch gehandelt werden, sind ein Teil der Überraschungsmannschaft der diesjährigen Champions League Saison. Thomas Lemar und Bernardo Silva sind beides Spieler des AS Monaco, während Bernardo Silva von Benfica Lissabon kam, ist Lemar einer der vielen jungen Talente die Frankreich gerade zu bieten hat.

Bernardo Silva

 

Thomas Lemar

Ein weiterer interessanter Spieler könnte Mohammed Salah vom AS Rom sein, zwar ist der Ägypter kein junges Talent mehr, jedoch schlummert auch in ihm noch ein wenig Potenzial, als Back-up für Ribery bzw Ersatz für Douglas Costa wäre er sicherlich eine Option.

Mohamed Salah

Sein Fähigkeitsprofli ähnelt dem von Franck Ribery stark, vor allem im spielen von starken Pässen, die zu Torabschlüssen führen ist Salah stark, jedoch entwickelte er sich ebenso zu einem überaus torgefährlichen Spieler, der sicherlich für einen annehmbaren Preis zum FC Bayern passen könnte.

Ein weiterer Spieler aus der Serie A, der bereits Erfahrung auf höchstem Niveau besitzt, könnte dem FC Bayern weiterhelfen. Aufgrund seiner Fähigkeiten in engen Räumen würde Lorenzo Insigne vom SSC Neapel gut zu Ancelottis Idee passen, die Flügeslpieler einrücken zu lassen.

Lorenzo Insigne

 

 

Seine Stärken liegen weniger im Dribbling, sondern wie bereits angesprochen in engen Räumen. Situationen kann er unter Druck gut lösen und schafft es seine Mitspieler gut einzusetzen, auch gehört Insigne zu den torgefährlicheren Spielern in Italien und könnte sicherlich eine interessante Ergänzung für den FC Bayern sein, der außer Thiago aktuell keine Spieler für die engen Räume, mit Abstrichen Franck Ribery, besitzt.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass die Nachfolge von Arjen Robben und Franck Ribery eine der wichtigsten Fragen der nahen Zukunft des FC Bayern sein wird. Diese Saison konnten Beide immer noch überzeugen, jedoch werden sie nicht jünger. Alternativen, die bereits in der kommenden Saison Spielanteile auch in wichtigen Spielen übernehmen, oder auch mal einen der Beiden ersetzten können, sind notwendig. Sollte man versuchen Ribery und Robben mit jungen Spielern ersetzten zu wollen, muss sich auch etwas an der Einstellung des Trainers und der beiden Stars ändern. Häufig ließ sich diese Saison beobachten wie Robben und Ribery nach Auswechslungen entnervt vom Platz liefen, dies muss sich in Teilen ändern. Robben und Ribery können nicht mehr jedes Spiel spielen, zum einen müssen auch sie sich ihre Kraft über die Saison einteilen, zum anderen brauchen Spieler wie Kingsley Coman regelmäßige Einsatzzeiten. Man darf gespannt auf die Entwicklungen in den nächsten Transferperioden beim FC Bayern blicken.

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