Abgezockte Bayern gewinnen in Dortmund; Die Analyse zum Spitzenspiel

Am Samstag kam es mal wieder zum Aufeinandertreffen der beiden besten deutschen Mannschaften der letzten Jahre. Die Münchner reisten mit einem Lauf durch die Rückkehr von Jupp Heynckes nach Dortmund, die in den letzten Wochen eine kleine Krise erlebten. Das Spiel war für den neutralen Zuschauer vor allem in der ersten Halbzeit gut anzusehen, da sich viele Torchancen aufgrund der Lücken in der Defensive ergaben.

Bayern überrascht mit Kimmich

Die Aufstellung der Bayern war eigentlich keine Überraschung, schaut man sich die letzten Wochen an, war diese Aufstellung vorhersehbar. Allerdings hieß es gestern noch, dass Kimmich aufgrund von Magen-Darm Erkrankung nicht spielen könne. Gestern brach er deshalb auch nicht mit der Mannschaft nach Dortmund auf, reiste allerdings heute früh nach und lief schlussendlich von Beginn an auf.

Aufstellung

Im Tor agierte bei den Bayern in Abwesenheit von Manuel Neuer weiterhin Sven Ulreich, der ein sehr starkes Spiel machte. Vor ihm bildeten Niklas Süle und Mats Hummels die Innenverteidigung und wurden von Kimmich und Alaba flankiert.

Auf der Solo-Sechs lief, wie unter Heynckes gewohnt, Javi Martinez auf. Vor ihm spielten Thiago und James auf der Achterposition, jedoch ließ sich Thiago wie immer häufiger nach hinten fallen, um dem Aufbauspiel zu helfen. Links spielte der Formstarke Coman, rechts Dortmund-Experte und Kapitän Arjen Robben. Robert Lewandowski kehrte nach seiner Pause in Glasgow wieder zurück in die Startaufstellung.

Bei den Dortmundern stand Roman Bürki im Tor. Marc Bartra durfte wieder auf der rechten Abwehrseite beginnen, Marcel Schmelzer spielte links. In der Innenverteidigung liefen Sokratis und Toprak auf. Davor spielten Julian Weigl, Castro und Kagawa im Mittelfeld. Zu meist war Weigl der tiefste Spieler, während Castro und Kagawa eher höher agierten.

In der Angriffsreihe liefen Yarmolenko, Aubameyang und der starke Christian Pulisic auf.

Bayerns Aufbauspiel gegen Dortmunds Pressing

Da die Bayern unter Heynckes wieder mehr zur spielmachenden Mannschaft wurde, war es natürlich eigentlich entscheidend wie man mit Dortmunds Pressing zu Recht kommen würde. Besonders im Pokal gegen Leipzig zeigte sich, dass die Bayern noch nicht immer die perfekte Struktur gegen zugegebenermaßen auch sehr starkes Pressing der Leipziger haben.

Gegen Dortmund lösten die Bayern durch viele Anspielstationen und sichere Ballzirkulation Drucksituationen sehr souverän. Allerdings war auch der defensive Ansatz der Dortmunder sehr löchrig. Sie versuchten im 4-4-2 die Bayern höher zu pressen und so auf die Flügel zu leiten. Kagawa und Aubameyang liefen die Innenverteidigung an, Yarmolenko und Pulisic sollten die Außenverteidiger pressen, während die Sechser auf Martinez schoben, zu Beginn vor allem Castro. Allgemein stand die Mittelfeldreihe der Dortmunder recht hoch.

Allerdings fehlte es den Dortmundern an der nötigen Kompaktheit. Zu häufig konnten die Bayern das Mittelfeld mit Pässen in den Zwischenlinienraum überspielen. Hummels wurde teils hoch angelaufen, jedoch sicherten die Dortmunder das nicht immer gut ab. Zu oft fand Hummels oder auch Süle Bayerns Offensivspieler zwischen den Linien.

vor 2 tor

Situation vor 2:0 durch Lewandowski, Bayern löst links die Drucksituationen. James hat dann im Zentrum sehr viel Platz und kann auf Robben verlagern. Rechts flankt dann Kimmich auf Lewandowski

Des weiteren, bildeten die Bayern im Halbraum häufig Dreiecke und Rauten und konnten vor allem links durch schnelle Kombiantionen wie vor dem 1:0 Raum in Dortmunds Defensive finden. Letztendlich gingen wieder viele der Angriffsbemühungen über die außen, die Bayern schafften es nicht immer wirklich konstant die Zuspiele in den Zwischenlinienraum zu nutzen.

Das Leipzigspiel zeigte bereits, dass Jupp Heynckes für die Offensive aber sowieso die Halbräume als Ausgangspunkt wählt. Von dort aus können die Bayern immer noch über die Flügel gefährlich werden, Kimmichs Hereingabe vor dem 2:0 nach guten Überlaufen ist ein Beispiel dafür, jedoch sind die Bayern durch ihre gute Struktur im Halbraum schwieriger zu isolieren und können gleichzeitig im Gegenpressing schneller für Zugriff sorgen.

In diesem Spiel wirkten die Bayernspieler gut verbunden, es herrschte genug Bewegung im Offensivspiel und man konnte dadurch die vielen Räume die Dortmund bot auch nutzen.

Bayern offenbart Raum im Zentrum

Das Spiel war geprägt von den beiden schwachen Defensivreihen bzw. der fehlenden Kompaktheit beider Teams. So ergab sich ein schnelles Spiel mit vielen Torchancen. Genau wie beim BVB fehlte es auch bei den Bayern an der Kompaktheit, besonders in der zweiten Hälfte.

Bayern verteidigte im unter Heynckes gewohnten 4-1-4-1. Zu Beginn entstand auch immer wieder ein 4-4-2 gegen den Ball, zumeist James schob neben Lewandowski und unterstützte den Polen bei der Verhinderung von Pässen ins Zentrum. Dies gelang meist auch, allerdings fehlte es bei den Dortmundern in der ersten Hälfte auch an der nötigen Bewegung im Mittelfeld, um die vorhandenen Räume, die die Bayern boten, nutzen zu können.

Chance Aubameyang

Bayern hier kompakter, allerdings durch Hummels herausrücken entsteht Raum, den Dortmund mit langem Ball nutzen kann. Auch auffällig Dortmunds flache Viererkette. Raum auf der anderen Seite (dunkelblau) kann nicht genutzt werden

In der ersten Hälfte verteidigten die Bayern noch aggressiver, konnten so viele Bälle auch mal etwas höher erobern. Die Kompaktheit stimmte in dieser Phase auch noch eher. Thiago und James orientierten sich zumeist an den beiden Sechsern der Dortmunder, Weigl und Castro. Die Dortmunder mussten so den Ball teils längere Zeit in der Viererkette laufen lassen. Die Bayern konnten dann mit ihren Flügelspielern die Dortmunder nach außen leiten. Viele Angriffe des BVBs gingen so in der ersten Halbzeit über den Flügel, ohne wirklich gefährlich zu werden. Die beiden besten Chancen des BVBs ergaben sich aus Kontern bzw. einem Ballverlust von Martinez.

In der zweiten Halbzeit wurde der BVB auch aufgrund der sehr starken Leistung von Pulisic stärker. Pulisic konnte durch seine starken Dribblings die Räume neben Martinez ausnutzen und sorgte für Gefahr. Im Allgemeinen konnten die Dortmunder die Räume neben Martinez besser nutzen. Bayerns Linie davor presste nicht mehr so aggressiv, Robben ließ sich teils durch die breite Stellung der Dortmunder mehr nach außen ziehen, es ergaben sich Räume im Halbraum. Des weiteren ergaben sich für beide Teams immer wieder Lücken, wenn die erste Pressinglinie des Gegners überspielt wurde, oder man sich aus lokalen Drucksituationen lösen konnte.

Fehlende Konterabsicherung bei beiden Teams

Dass das Spiel viele Torchancen bot, lang zum Teil auch an der schwachen Konterabsicherung beider Teams. Die Bayern schafften es zu Beginn noch Konter zu unterbinden, allerdings fehlte es zum Teil nach Standards an der richtigen Absicherung, wie bei Yarmolenkos Chance in der ersten Halbzeit zu beobachten.

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der Stärkste bei Dortmund

Jedoch hatten auch die Bayern Kontersituationen, da die Dortmunder zwar schnell umschalteten, allerdings häufiger die Absicherung in die Tiefe fehlte, so erhielten die Bayern durch lange Bälle von hinten Raum zum schnellen Spiel nach vorne. Nicht immer nur durch Kontersituationen, sondern auch aus dem normalen Spielaufbau waren beide Teams bei langen Bällen nicht immer ganz sicher. So ergaben sich die Chancen für Aubameyang und Lewandowski in der ersten Halbzeit.

Fazit

Was bleibt von der Partie? Die Bayern machten ein ordentliches Spiel, waren spielbestimmend und in der Lage sich Chancen zu erspielen, die sie dann auch eiskalt nutzen konnten, obwohl Lewandowski wahrscheinlich an anderen Tagen auch drei Tore hätte schießen können. Besonders in der ersten Hälfte pressten die Münchner gut, ließen aber durch Konter Chancen gegen den schnellen BVB zu. In der zweiten Halbzeit offenbarten sie ein paar Lücken im Mittelfeld, die der BVB durch Pulisic ein wenig nutzen konnte, letztendlich trafen die Dortmunder aber nur einmal.

expected goals

Quelle @11tegen11

Die Dortmunder bleiben weiter anfällig in der Defensive. Bei allen Gegentoren gab es individuelle Fehler der Dortmunder im Abwehrverbund, die letztendlich ein vom Ergebnis offeneres Spiel verhinderten, genauso war der BVB im Mittelfeld wie auch die Bayern nicht immer kompakt genug. Nach vorne hatten die Dortmunder gute Chance, dies zeigen auch die expected goals Werte. Jedoch war die Chancenverwertung alles andere als gut und vor allem gegen abgezockte Münchner zu wenig.

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Durch den Jupp-Effekt sind die Bayern jetzt wieder unangefochtene Nummer 1 in Deutschland, ob eine solche Defensivleistung allerdings in der Champions League gegen die Topteams reicht darf bezweifelt werden. Die Dortmunder hingegen stecken nun endgültig in einer Krise, es wird interessant zu sehen sein wie sich die Lage um Trainer Bosz in Dortmund entwickelt.

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