Herrlich schlägt Kovac im CL-Duell

Zwei Tage nach der Kovac Bekanntgabe und wenige Tage vor den Halbfinals im DFB-Pokal, trafen Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt aufeinander. Beide Teams kämpfen unter der Woche um den Einzug ins DFB-Pokalfinale, allerdings war dieses Spiel entscheidend im Kampf um die Champions League Plätze. Eintracht Frankfurt hätte mit einem Sieg an Heiko Herrlichs Mannschaft vorbeiziehen können.

In einem interessanten Spiel setzte sich letztlich Bayer Leverkusen mit 4:1 durch. Im Ergebnis vielleicht etwas zu hoch, war Leverkusen doch die spielbestimmende Mannschaft. Allerdings hielt Frankfurt sehr lange dagegen, war aber nicht in der Lage kleinere Probleme im Verlauf der Partie zu lösen und muss letztlich die Niederlage akzeptieren.

Wer das Zentrum kontrolliert, kontrolliert das Spiel

Das Spiel war geprägt vom Kampf um die Kontrolle des Zentrums. Gerade Leverkusen versuchte durch Seitenwechsel Zugriff zu den Halbräumen zu erhalten, oder seine gefährlichen Offensivspieler im Zwischenlinienraum zu finden.

Auch Frankfurt versuchte primär über den Halbraum zwischen die Linien zu kommen. Allerdings verteidigten die Leverkusener das Zentrum sehr gut und Frankfurt musste den Weg über die Außenbahn wählen, was meist nicht erfolgreich endete. Die Mannschaft von Niko Kovac wurde deshalb nur in Umschaltsituationen gefährlich, wenn sie Boateng, den schnellen Wolf oder Fabian in Szene setzten konnten.

Beide Teams agierten zu Beginn mit einer Fünferkette in letzter Linie. Die Anordnung der restlichen Feldspieler unterschied sich nur marginal, allerdings schafften es die Leverkusener mehr Kontrolle zu erlangen. Frankfurt begann mit einer recht flachen Viererkette im Mittelfeld und Boateng als einziger Spitze, der vergeblich versuchte Leverkusen den Spielaufbau zu erschweren. Wie immer rückten die Frankfurter viel aus der Kette heraus, meist bedingt durch kurze Mannorientierungen. Gerade in den Situationen, in denen ein Spieler herausrückt, sichert der Rest der Frankfurter Mannschaft diagonal ab. Dies ist nicht immer leicht für den Gegner zu bespielen. Auch in dieser Partie verteidigten die Frankfurter oftmals sehr gut. Allerdings hatte Leverkusen ein Übergewicht im Zentrum, durch die beweglichen Rollen von Brandt und Havertz.

Im Vergleich zu Frankfurt verteidigte Leverkusen im 5-2-3 oder 4-4-2. In der ersten Hälfte waren die Übergänge noch fließend, dies hing auf dem linken Flügel von der Position von Wolf und da Costa ab. In der zweiten Hälfte stellte Herrlich dann konsequent auf eine Viererkette um und Leverkusen verteidigte im 4-2-3-1.

Leverkusen defensiv

Frankfurts Sechser können von fünf Leverkusener verteidigt werden. Einzig Wolfs Position stellt Leverkusens Bailey hin und wieder vor Probleme, da da Costa tiefer spielte und Wolf sich aktiv einbrachte. Nach der Pause wurde durch die Umstellung der Flügel doppelt besetzt.

Frankfurt hatte Probleme seine Sechser ins Spiel zu bekommen. Oftmals konnte die Mannschaft von Niko Kovac den Ball in der ersten Linie laufen lassen, es fehlten dann aber die Anspielstationen, um weiter vorrücken zu können. Volland, Brandt und Havertz (je nach Staffelung) gingen erst in der Mitte der Frankfurter Hälfte aktiv ins Pressing über. Auch deshalb hielten sie einen engen Abstand zu Aranguiz und Baumgartlinger, den beiden Sechser der Leverkusener. Gerade in einer 2-3 Staffelung oder 2-2-1, wenn Volland höher presste, hatten die Leverkusener viele Spieler, die Zugriff auf Frankfurts Sechser hatten und gleichzeitig die Passwege auf Fabian und Wolf im Halbraum versperren konnten.

Leverkusens geschickter Bespielen der Frankfurter Defensive

Wie bereits im letzten Absatz erwähnt, hatten die Leverkusener eine Überzahl im Zentrum und dementsprechend die Kontrolle. Brandt und Havertz bewegten sich viel zwischen den Linien, auch Volland weichte aus oder Bailey rückte zwischen die Linien. Der Jamaikaner war in der Lage in der ersten Halbzeit mal ins Zentrum zu schieben, da Retsos eine Hybridrolle innehatte. Der junge Verteidiger agierte im Aufbauspiel als breiter Halbverteidiger, konnte aber je nach Situation im Laufe des Angriffs wie ein Außenverteidiger agieren und so Bailey befreien, ohne dass Leverkusen an Breite im Spiel verlor.

Durch die vielen Spieler der Leverkusener hinter Frankfurts Mittelfeldlinie, konnte jene nicht immer Druck auf die Sechser ausüben, oder mussten den Leverkusenern Räume überlassen. Auch das Herausrücken der Innenverteidiger bei Frankfurt konnte Leverkusen durch das Spiel über den Dritten ausspielen. Gerade in der zweiten Hälfte, nach der Umstellung auf das 4-2-3-1 war dies einfacher möglich.

In der ersten Hälfte gingen viele Eröffnungen bei Leverkusen noch über die Außenbahn und den Halbraum. Durch die Unterstützung eines Sechsers, des Innenverteidigers und den Offensivspielern, die zwischen den Linien agierten, schaffte es Leverkusen vom Flügel zwischen die Linien und in die Tiefe zu gelangen. Besonders Julian Brandt und Kai Havertz Qualität in engen Räumen spielten dort eine große Rolle. Gerade über links schaffte es Leverkusen hin und wieder entweder Julian Brandt oder Leon Bailey in Szene zu setzten. Die Dribblings von Julian Brandt mit anschließenden Steilpässen sorgten hin und wieder für Gefahr.

Besonders nach Verlagerungen schaffte es Leverkusen zwischen die Linien zu gelangen. Oftmals ließen sich die Frankfurter durch kurze Mannorientierungen und dem Ausweichen der Leverkusener Angreifer aus der Position ziehen. Besonders die ballferne Seite wurde durch Frankfurt nicht gut verteidigt.

Spiel über Dritten LEV

Nach einer Verlagerung von der linken auf die rechte Seite, schaffen es Bender und Baumgartlinger durch einen Doppelpass die Frankfurter anzulocken. Frankfurts Mittelfeldakteure rücken wieder weit heraus. Baumgartlinger findet Havertz zwischen den Linien. Durch einen schnellen Pass auf Brandt kann Leverkusen das Herausrücken der Frankfurter Verteidiger bespielen.

Gerade wenn die Sechser der Frankfurter versuchten ins Pressing zu gehen und Leverkusen dann die Mittelfeldlinie überspielte, ergaben sich Möglichkeiten, wie das obere Beispiel zeigt. Brandt oder Havertz erhielten dann den Ball und konnten so Kevin Volland hinter die Kette schicken.

Herrlichs clevere Umstellung

Die Partie war in der ersten Halbzeit noch recht ausgeglichen. Zwar hatte Leverkusen mehr vom Spiel, doch die größeren Chancen waren ungefähr gleichmäßig verteilt. Erst nach der Pause übernahm Leverkusen mehr und mehr die Kontrolle. Ein Grund dafür war Heiko Herrlichs Umstellung zur Pause. Herrlich wechselte in der Pause auf ein klares 4-2-3-1. Retsos bildete mit Sven Bender die Innenverteidigung, während Lars Bender über rechts und Benjamin Henrichs über links agierten.

Leon Bailey griff in der zweiten Hälfte über rechts an, was ihn in eine bessere Schussposition brachte. Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte hätte sich diese Umstellung fast bezahlt gemacht, als Bailey nur die Latte traf.

überspielen der Linien

Wieder schafft es Leverkusen nach einer schnellen kurzen Verlagerung ins Zentrum, Lücken in Frankfurts Mittelfeldlinie zu finden. Und wieder nutzt Bayer das Spiel über den Dritten. Wie erwähnt hatten die Leverkusener mehr Präsenz nach der Umstellung. Gerade Frankfurts Herausrücken wirkte häufiger etwas willkürlich und konnte zu leicht durch Leverkusen in der zweiten Halbzeit genutzt werden.

Im Allgemeinen hatte Leverkusen durch die Umstellung konstant mehr Spieler zwischen den Linien. Darüber hinaus, erhöhte sich die Präsenz weiter vorne. Dies ermöglichte ein schnelleres aktiveres Gegenpressing, da einfach ein Spieler zusätzlich in der Nähe des Balles war. Leverkusen schaffte es durch die erhöhte Präsenz und das verbesserte Gegenpressing, Frankfurt immer weiter nach hinten zu drücken.

Frankfurt erhielt weniger Zugriff auf Leverkusens Mittelfeldspieler und die Wege für einen Konter wurden immer weiter. Auch während des Aufbauspiels der Leverkusener fehlte es Frankfurt an Zugriff. Boateng sah sich immer noch zwei bis drei Akteuren gegenüber. Im Gegensatz zur ersten Hälfte positionierte sich aber ein Leverkusener mehr hinter der Mittelfeldlinie der Frankfurter, was ein aktiveres, höheres Pressing verhinderte.

Frankfurt benötigte lange, um sich auf die neue Formation einzustellen und verlor letztlich immer mehr Kontrolle. Niko Kovac reagierte erst spät und wechselte auf ein 4-4-2 flach oder mit kurzzeitiger Raute. Kurz danach traf aber Volland zum 3:1 und das Spiel war gelaufen.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass in einer sehr ausgeglichenen Partie Leverkusen letztlich die Oberhand behielt. Grund dafür war, dass Leverkusen es schaffte die Mitte zu kontrollieren und durch geschickte Verlagerungen so wie schnellem Vertikalspiel Lücken in Frankfurts Defensivverbund zu reißen.

Beide Teams können als positive Erscheinungen der diesjährigen Bundesligasaison gesehen werden. Beide sind defensiv flexibel und können sich an den Gegner anpassen. Leverkusen besitzt, auch aufgrund der höheren individuellen Klasse, das bessere Spiel mit dem Ball. Letztlich kann das ausschlaggebend für das Erreichen der Champions League sein.

 

 

 

 

Advertisements

4 Gedanken zu “Herrlich schlägt Kovac im CL-Duell

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s