Der HSV erspielt sich 3 Punkte gegen Wolfsburg

Das Spiel Freiburg gegen Köln war an diesem Spieltag bereits ein Abstiegskrimi, aber das viel wichtigere Spiel fand in Wolfsburg statt. Beim VfL gastierte der Hamburger SV. Eine Niederlage hätte, aufgrund des Mainzer Siegs einen Tag später, den sicheren Abstieg für den Bundesliga-Dino bedeutet.

Doch die Mannschaft von Christian Titz zeigte erneut eine gute Leistung und konnte so das zweite Spiel in Folge gewinnen. Damit hat der HSV noch zwei Punkte Rückstand auf die Wolfsburger und an den letzten beiden Spieltagen noch eine realistische Chance auf Platz 16.

Die Hamburger zeigten in diesem Spiel, wieso gut strukturiertes Offensivspiel vielleicht auch im Abstiegskampf ein Pluspunkt sein kann. Denn der HSV hat mittlerweile keine Probleme mehr das Spiel selbst zu machen. Ganz im Gegenteil, gegen Wolfsburg übernahmen die Rothosen sofort die Initiative und führten zur Pause bereits mit 2:0. Letztlich konnte Christian Titz den dritten Sieg aus den letzten vier Spielen bejubeln. Der HSV gewann gegen die Mannschaft von Ex-HSV-Coach Bruno Labbadia mit 3:1.

Wolfsburgs panisches Aufbauspiel

Wie bereits erwähnt, versuchte der HSV von Beginn an die Kontrolle über das Spiel zu übernehmen. Durch ein strukturiertes und primär kurzes Passspiel sollte die Wolfsburger Defensive geknackt werden. Christian Titz Team hatte aufgrund ihres hohen Angriffspressing in der ersten Hälfte mehr vom Spiel.

Die Wolfsburger versuchten zwar von Casteels das Spiel aus zu eröffnen, allerdings gab es kaum unterstützende Bewegungen des Mittelfelds, sondern es wurde bereits beim kleinsten Anlaufen von Hamburg der lange Ball geschlagen.

Die Hamburger pressten besonders in der ersten Hälfte über weite Strecken in einem 4-1-2-3. Bobby Wood lief dabei als zentraler Stürmer den ballführenden Innenverteidiger an. Meist tat er dies mit einem bogenförmigen Laufweg, um die beiden Innenverteidiger der Wolfsburger zu trennen. Der ballnahe Flügelspieler der Hamburger versuchte ebenfalls Druck auszuüben, um ein Andribbeln des Innenverteidigers zu unterbinden. Dabei nahm er seinen direkten Gegenspieler, den jeweiligen Außenverteidiger in den Deckungsschatten.

Der ballferne Flügelspieler der Hamburger hielt seine Position und belauerte den freien Innenverteidiger. Gerade nach Seitenwechseln, die Wolfsburg sehr selten versuchte, konnte er dann sofort wieder Druck ausüben.

Wolfsburg aufbauspiel

Die beiden Achter, Holtby und Hunt orientierten sich lose an Bazoer und Guilavogui. Allerdings machten die Sechser der Wolfsburger keine Anstalten wirklich sich aktiv als Anspielstation zu präsentieren.

So kam es, dass Wolfsburg häufig zum langen Ball griff. Dies wirkte in der Tat sogar etwas einstudiert. Meist fokussierte man die halblinke Seite. Zielspieler war der Stürmer Divock Origi. Er schaffte es auch gelegentlich die Bälle zu kontrollieren. Arnold und Steffen unterstützten ihn dann oder versuchten den zweiten Ball zu erobern.

Aber besonders in der ersten Hälfte war die Einbindung der einzelnen Akteure bei Wolfsburg sehr schlecht. Origi schaffte es den Ball fest zu machen, allerdings waren Steffen und Arnold oft nicht richtig positioniert, ein Seitenwechsel schwierig und das Nachrücken der Sechser fehlte komplett. Dementsprechend ging bei Wolfsburg nur über Konter Gefahr aus. Gerade wenn der HSV mal weit aufgerückt war, schaffte es die Mannschaft von Bruno Labbadia über lange Bälle für einen Ansatz von Gefahr zu sorgen.

Hamburgs Überzahl im Aufbauspiel

Auf der anderen Seite, versuchten auch die Wolfsburger durch ein höheres Mittelfeldpressing das Aufbauspiel der Hamburger zu unterbinden. Allerdings fehlte es dabei häufiger an der Aggressivität bzw. fokussierte sich die Werkself mehr auf das versperren der Mitte, was allerdings fast gar nicht erfolgreich war.

Es gab verschiedene Gründe, wieso das Pressing der Wolfsburger nicht erfolgreich war. Zum einen waren die Abstände teils zu groß, die Spieler rückten zu spät aus der Position und ermöglichten den Hamburgern das Aufdrehen, oder sie ließen sich von Hamburgs ausweichenden Bewegungen zu leicht aus der Position ziehen.

Ito im Halbraum

Zum anderen, schaffte es Christian Titzs Mannschaft recht oft Überzahl Situationen herzustellen und so die erste Pressinglinie zu überspielen. Gerade durch Pollersbeck hohe Position hatten die Hamburger stets eine 3vs1 Überzahl in der ersten Linie und konnten so durch Seitenwechsel das Pressing der Wölfte vor weitere Probleme stellen.

Normalerweise rückten die Flügelspieler der Wolfsburger diagonal aus dem Zentrum heraus. Dies war auch nicht erfolgreicher aufgrund der oben genannten Probleme. Steffen entscheidet sich hier Sakai in den Deckungsschatten zu nehmen und so Papadopoulos anzulaufen. Problematisch war hier die fehlende Unterstützung für Steffen. Gerade im Zentrum agierte Wolfsburg sehr mannorientiert und konnte so die Passwege und offenen Räume nicht nutzen.

Origi hielt sich beim Anlaufen zurück. Wenn wie hier die zentralen Mittelfeldspieler nicht anspielbar waren, konnte sich auch einer der Flügelspieler der Hamburger fallen lassen. Hier stellt Ito eine nutzbare 3vs2 Situation her. William verfolgt ihn zwar, setzt ihn bei der Ballannahme nicht unter Druck und lässt sich sogar fallen. Ito dreht auf und treibt den Ball durch den Halbraum. Unterstützt wird er dabei sofort von Holtby und Hunt, genauso wie Außenverteidiger Sakai.

Ich analysierte bereits die Leistung des HSVs gegen Schalke 04. Im Vergleich zu dieser Partie, war das Ballbesitzspiel der Hamburger diesmal verbessert. Die Achter, Holtby und Hunt hielten engeren Kontakt zu den hinteren Positionen und ermöglichten so einen besseren Übergang von Abwehr zu Angriff. Weiterhin gibt es aber noch kleinere Details an denen zu arbeiten ist. Beispielsweise tendieren Holtby und Hunt häufig dazu, sich nach vorne abzusetzen und in höheren Zonen sich anzubieten statt eine horizontale Passoption zu bieten.

In der oberen Szene bewegt sich Holtby nach vorne, statt Ito eine Passoption im Halbraum zu geben, über die der HSV in den Zwischenlinienraum hätte gelangen können. So muss Ito eine schwierige Variante über Sakai wählen und der Angriff läuft ins Leere.

Nichts desto trotz schaffte es die Mannschaft von Christian Titz ihre Überzahl in der ersten Linie geschickt zu nutzen. Meist gelangten sie über die Außenverteidiger diagonal ins Zentrum.

Aufbau über Außen

Diese Szene war ein weiteres Beispiel dafür, wie Hamburg es schaffte Überzahl zu generieren. Origi schafft es nicht Druck auszuüben. Aufgrund von Pollersbecks Position können sich die Innenverteidiger sehr breit positionieren und die Außenverteidiger der Hamburger weiter nach vorne rücken. Hier kommt es dazu, dass Kuba Druck auf Jung ausüben will, gleichzeitig aber den Passweg auf Hunt versperren muss. Origi beteiligte sich nur wenig am Pressing, denn er ließ sich schnell ausspielen und übte keinen Druck auf Jung oder Papadopoulos aus.

Die gute Struktur des HSVs sorgt dafür, dass der Rechtsaußen von Wolfsburg nur eine Passoption versperren kann. Jung kann auf Santos verlagern. Aufgrund der sehr großen Abstände bei den Wolfsburgern, kann Santos aufdrehen, da Verhaegh sehr spät nach vorne schiebt und keinen Druck ausüben kann. Kostic, der sich geschickt zwischen Verhaegh und Guilavogui positionierte schiebt nun mehr nach außen, um Breite zu geben.

Guilavogui macht den Fehler das Zentrum komplett zu verlassen, um Kostic zu decken. Aufgrund der sehr strikten Mannorientierung helfen Arnold und Bazoer nur zögerlich oder gar nicht. Aaron Hunt kann dementsprechend den Ball im Zentrum kontrollieren, und ohne unter Druck gesetzt zu werden, nach vorne treiben.

Ito tief

Die Mannschaft von Bruno Labbadia hat im Mittelfeld keine Absicherung mehr, Hunt kann mit dem Ball am Fuß marschieren und den Pass in die Tiefe spielen. Ito und Wood bewegen sich sehr geschickt zwischen den Verteidigern. Woods Laufweg öffnet die Passlinie auf den startenden Ito.

Im Allgemeinen lässt sich über das Spiel mit dem Ball beim HSV sehr viel Positives berichten. In dieser Partie versuchte die Mannschaft von Christian Titz über die Halbräume und die Flügel nach vorne zu kommen. Dabei orientierten sich beide Achter auf die gewählte Seite. Der ballferne Achter schob speziell sehr weit auf die Seite. Auch Bobby Wood wich oftmals aus dem Zentrum aus. Woods gute Laufwege gaben dem HSV immer einen Notfallplan. Mit einem langen Ball von den Innenverteidigern konnte so der Raum neben Wolfsburgs Innenverteidigern bespielt werden.

Die massive Überzahl und die guten Abstände zwischen den einzelnen Spielern erlaubten dem HSV nicht nur ein gutes Gegenpressing, sondern auch Lösungsmöglichkeiten unter Druck. Gerade das war beeindruckend zu sehen, wie die Hamburger auch unter Druck noch mit viel Ruhe versuchten manche Situationen zu lösen. Aus der Überzahl auf der einen Seite konnte dann eine Verlagerung auf die andere Seite gespielt werden. Gerade nach Verlagerungen von der rechten auf die linke Seite schaffte es der HSV Ito in 1vs1 Situationen zu bringen und so für Gefahr zu sorgen.

Die zweite Hälfte

Da der HSV zur Pause mit 2:0 führte, fokussierten sie sich in der zweiten Hälfte mehr auf das sichere Verteidigen und vertikale Spiel nach vorne. Sie pressten nun nicht mehr so hoch, sondern setzen auf ein tiefere 4-1-4-1 Pressing. Dies führte dazu, dass die Wolfsburger im Aufbau seltener zum langen Ball greifen musste.

Dementsprechend wurde Wolfsburg stärker, gerade nach schnellem Spiel aus dem Zentrum nach außen, wurde die Mannschaft von Bruno Labbadia gefährlich. Meist versuchten sie durch Flügelangriffe und Flanken für Gefahr zu sorgen. Letztlich waren die Hamburger zu passiv und Wolfsburg konnte die sich bietenden Räume des 4-1-4-1 nutzen.

Dementsprechend stellte Titz um und brachte mit Ekdal für Hunt einen weiteren Sechser. Von da an, agierte der HSV in einem 4-2-3-1. Gegen den Ball war es dann meist ein 4-4-1-1/4-4-2. Der Sechserraum wurde nun besser gesichert und auch im Aufbauspiel hatten sie nun einen Spieler mehr in tiefen Zonen. Das half, um sich aus dem nun höheren Pressing des VfLs zu befreien.

Fazit

Der HSV holt drei wichtige Punkte im Abstiegskampf und hat nun immer noch die Möglichkeit auf Rang 16 zu springen. Im direkten Duell zeigte sich, dass der HSV aktuell die bessere Spielanlage hat. Christian Titz ist hier zu nennen, der es schaffte dem HSV eine gewisse Struktur mit und ohne Ball zu geben. Im Vergleich zu Wolfsburg hatten sie mit Ball Lösungsmöglichkeiten und konnten so für Gefahr vor dem Tor von Casteels sorgen. Wolfsburg hingegen lebt viel von der individuellen Qualität seiner Spieler und konnte erst in der zweiten Hälfte gegen schwächere Hamburger für Gefahr sorgen. Die nächsten beiden Spieltage werden spannend im Abstiegskampf.

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5 Gedanken zu “Der HSV erspielt sich 3 Punkte gegen Wolfsburg

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