Stuttgarts Bollwerk hält

Am 33. Spieltag traf der VfB Stuttgart in seinem letzten Heimspiel in dieser Saison auf die TSG Hoffenheim. Unter Tayfun Korkut stabilisierte sich der VfB und mischt noch im Kampf um die Europa-League-Plätze mit. Auch die Mannschaft von Julian Nagelsmann präsentierte sich in den letzten Wochen in starker Form und möchte sich erneut für die Champions-League qualifizieren. Zum Glück für Hoffenheim konnte die Konkurrenz den Patzer der Nagelsmänner nicht ausnutzen. Gegen den VfB war man zwar spielerisch überlegen, doch die Mannschaft von Korkut hatte die besseren Chancen und gewann trotz längerer Unterzahl am Ende mit 2:0

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Hoffenheims starker Anfang

Es trafen an diesem Samstag im Prinzip zwei Gegensätze aufeinander. Nicht nur ist der VfB ein klassischer Traditionsverein und die TSG eher nicht, auch spielerisch liegen zwischen beiden Teams Welten. Nach seinem Amtsantritt versuchte Korkut den VfB zu stabilisieren und setzt dabei voll auf die Defensive. Die Stuttgarter sind eine sehr kompakte und disziplinierte Mannschaft gegen den Ball. Auch die Hoffenheimer bissen sich am VfB-Bollwerk die Zähne aus. Mit dem Ball setzt der VfB dann vermehrt auf lange Bälle. Mit Gomez und Ginczek haben sie zwei Stürmer, die lange Bälle kontrollieren und verarbeiten können. Dazu kommen mit Thommy und Gentner, so wie auch Gomez Spieler dazu, die nach dem Gewinn des zweiten Balles sofort für Durchschlagskraft durch Tiefensprints und Dribblings sorgen können.

Hoffenheim auf der anderen Seite ist wesentlich flexibler und beweglicher in der Offensive. Die Mannschaft von Julian Nagelsmann machte auch in Stuttgart das Spiel und versuchte durch ein gutes Ballbesitzspiel Lücken in Stuttgarts Verteidigungsbund zu finden. Dabei setzte Nagelsmann auf eine recht interessante Formation. Wie so oft, agierte die TSG hinten mit einer Dreierkette und besetzte die Außenbahnen nur einfach. Vor dem einzigen Sechser Florian Grillitsch, liefen mit Kramaric, Amiri und Zuber (später Zulj) drei Zehner auf. Diese positionierten sich zwischen Abwehr und Mittelfeld des VfB und unterstützten den einzigen Stürmer Mark Uth immer wieder.

Zu Beginn waren die Hoffenheimer klar überlegen und konnten sich in der ersten Viertelstunde einige gefährliche Möglichkeiten herausspielen. Der VfB lief in dieser Phase hin und wieder höher an, um ein sauberes Aufbauspiel zu verhindern, was allerdings Räume für die TSG offenbarte. Wenn der VfB höher presste, hatten sie meist das Problem, dass die TSG eine Überzahl im Aufbauspiel hatte. Durch die gute Einbindung von Torhüter Oliver Baumann, stellte Hoffenheim eine 4vs2 Situation gegen die anlaufenden Ginczek und Gomez her. Neben den beiden Stürmern schob auch die Mittelfeldkette weiter nach vorne. Amiri und Grillitsch halfen dann der Hoffenheimer Abwehrkette und der VfB presste vergeblich.

Hoffenheim nutzt linke Seite

Hier versuchen die Stuttgarter den Spielaufbau zu unterbinden. Durch die Überzahl kann Nordveit aber den Pass nach außen auf Schulz spielen. Baumgartl ist im Anlaufen zu zögerlich und hat keinen Zugriff. In der Folge attackieren die Hoffenheimer den Raum hinter Baumgartl. Dessen Fähigkeiten, besonders athletischer Natur hatte Nagelsmann offenbar als Schwachpunkt ausgemacht, denn gerade zu Beginn gingen viele Angriffe über dessen Seite. Schob jener beispielsweise höher, konnte Amiri in den Raum hinter Timo Baumgartl rücken.

Nagelsmanns Plan geht nicht auf

Julian Nagelsmann ist dafür bekannt immer wieder Nuancen zu ändern. Gegen den VfB agierte seine Mannschaft mit drei Zehnern hinter Uth. Damit hatten die Hoffenheimer potenziell viele Anspielstationen zwischen den Linien, gerade für die vielen Steil-Klatsch Kombinationen ist dies ideal.

Allerdings schaffte es Hoffenheim trotz der Über- bzw. Gleichzahl im Zentrum nicht, dass ganze Spiel über zwischen Stuttgarts Linien zu gelangen. Einzig in der ersten Hälfte. Jedoch nicht durch das Zentrum, sondern nach Verlagerungen auf den Flügeln und dann diagonalen Pässen der Flügelverteidiger zwischen die Linien der Schwaben.

Der Grund für die fehlenden Anspiele im Zentrum sind auf das Defensivverhalten der Stuttgarter zurückzuführen. Der VfB hatte das klare Ziel, gegen den Ball die Mitte zu verschließen. Bewusst ließ man den Hoffenheimern etwas mehr Platz auf dem Flügel und verschob erst nach einem Seitenwechsel kollektiv auf die Seite. Da mit Schulz und Rupp/Zuber keine echten 1vs1 Spezialisten bei der TSG auf den Flügeln aktiv waren und der VfB Größenvorteile bei Flanken hatte, schaffte es Hoffenheim nur in der Anfangsphase aus dem sich ergebenen Raum Kapital zu schlagen.

Neben dem kompakten Zentrum schaffte es Stuttgart, die direkte Verbindung von Hoffenheims Dreierkette zu den Zehnern zu kappen.

VfB Kontrolle Sechserraum

Die Mannschaft von Tayfun Korkut kontrollierte den Sechserraum nämlich fast über die vollen 90 Minuten. Florian Grillitsch kam so kaum ins Spiel und Hoffenheim fehlte eine Anspielstation im Zentrum. Dementsprechend waren die Wege nach vorne weit. Vogt, Nordveit und Akpoguma konnten nur versuchen über scharfe flache Pässe die Mittelfeldlinie des VfBs zu überspielen. Diese Art von Pässe sind aber nicht nur schwierig, sondern auch sehr riskant.

Zu selten dribbelten die Halbverteidiger der Hoffenheimer an. In den seltenen Fällen sorgte dies hin und wieder für Probleme beim VfB. Jedoch konnte durch Herausrücken und ballnahes Zusammenziehen das Andribbeln gut verteidigt werden.

nur Rückpass möglich

Nach einer Verlagerung auf Schulz präsentiert sich dieses Bild für den Linksaußen. Der VfB verschob schnell und präzise. Gomez belauert den Passweg ins Zentrum zu Grillitsch. Gentners Deckungsschatten sorgt dafür, dass Schulz keinen Pass zwischen die Linien spielen konnte. Darüber hinaus sichert Baumgartl den Passweg in die Tiefe ab. Schulz kann nur den Rückpass spielen.

Die TSG konnte sehr oft nur durch einen langen Ball die Seite wechseln. Das gab dem VfB genug Zeit zu verschieben. Grund für die langen Seitenwechsel war die fehlende Unterstützung im Zentrum. Wie erwähnt kontrollierte die Mannschaft von Tayfun Korkut den Sechserraum. Dementsprechend waren flache Verlagerungen über Grillitsch nur selten möglich.

Die Offensivstrategie des VfBs

Die Stuttgarter setzen im Vergleich zur TSG nur selten auf die spielerischen Lösungen. Hin und wieder konnte man durch schnelle Kombinationen auf dem Flügel durchbrechen. Hauptsächlich operierte der VfB aber mit langen Bällen auf Ginczek und Gomez.

Die beiden nominellen Flügelspieler Gentner und Thommy schoben meist sehr weit in die Mitte, so dass ein 4-2-2-2 entstand. Beide hatten die Aufgabe die Abpraller und zweiten Bälle aufzusammeln und für vertikale Durchbrüche zu sorgen. Bestes Beispiel war hierfür das erste Tor durch Mario Gomez. Nach einem unkontrollierten Schlag nach vorne, verliert Ginczek zwar das Kopfballduell gegen Vogt, Gentner ist aber zur Stelle und dribbelt noch einige Meter ehe seine Flanke Mario Gomez fand und der zum 1:0 einschob.

Hoffenheim wirkte bei langen Bälle teils überfordert. Nicht nur war das Stellungs- und Kopfballspiel nicht immer perfekt, ebenso reagierte das Mittelfeld zu langsam und der VfB konnte so die zweiten Bälle erobern.

Nach dem 1:0 konnte sich die Mannschaft von Tayfun Korkut auf das Setzen von einzelnen Nadelstichen beschränken. In der zweiten Hälfte gelang ihnen dann nach einem Konter in Unterzahl das entscheidende zweite Tor, wieder nach einem Fehler von Akpoguma.

Zweite Hälfte, Hoffenheim stellt um, Ascacibar fliegt vom Platz

Kurz nach der Pause nahm Julian Nagelsmann seinen zweiten Wechsel vor (Rupp musste davor bereits verletzungsbedingt vom Platz). Für Havard Nordveit kam Adam Szalai in die Partie. Fortan agierte Hoffenheim in einem 4-3-3 mit Szalai im Zentrum. Uth und Kramaric besetzen die Flügelpositionen. Besonders ersteren zog es aber fast durchgehend ins Zentrum, Zuber rückte dafür weit mit auf.

Durch die Hereinnahme von Szalai wollte Nagelsmann für mehr Präsenz im Strafraum sorgen und darüber hinaus die Flügel durch doppelte Besetzung besser nutzen. Allerdings wirkte das Spiel der TSG in der Folge zu hektisch. Man versuchte den Ausgleich zu erzwingen. Es fehlte an Ruhe, vor allem in Ballbesitz. Zu selten wurde der Gegner durch kurze Kombinationen auf eine Seite gelockt, um dann andern Orts den Durchbruch zu schaffen. Vielmehr verlagerte die TSG in Person von Kevin Vogt recht früh durch lange Bälle das Spiel. Daraufhin wurde sofort versucht durch eine Flanke oder einen Pass zwischen die Linien den Durchbruch zu schaffen. Für den VfB war dies recht einfach zu verteidigen.

zweite Hälfte

Noch eine der wenigen gefährlicheren Aktionen. Die TSG versuchte über hohe Bälle und viel Präsenz rund um den Sechzehner entweder nach einer Flanke oder nach erfolgreichem Gegenpressing den Ausgleich erzwingen. Die Struktur mit dem Ball ermöglichte es nicht mehr, den VfB in Bewegungen zu bringen und so die Überzahl perfekt zu nutzen.

Mit der gelb-roten Karte für Ascacibar entstand dann noch einmal Spannung. Die Hoffenheimer waren natürlich noch drückender und der VfB konnte kaum noch für Entlastung sorgen. Nach dem Platzverweis blieb Mario Gomez als einzige Spitze vorne. Tayfun Korkut ordnete seine Mannschaft in einem 4-4-1. Die beiden kompakten Viererkette blieben also bestehen. Die TSG konnte nun noch offensiver agieren. Weiterhin waren aber die Angriffe zu überhastet und zu sehr auf Flanken von der Seite oder aus dem Halbfeld fokussiert. Dies konnte der VfB selbst in Unterzahl noch sehr gut verteidigen. Letztlich entschied ein Konter über Mario Gomez das Spiel zu Gunsten des VfBs

Fazit

Die Stuttgarter waren die effizientere Mannschaft. Spielerisch wird man in diesen Tagen vom VfB nur selten verwöhnt, jedoch nutzen sie ihre Möglichkeiten durch die beiden Stürmer Ginczeck und Gomez sehr gut aus. Tayfun Korkut schaffte es eine sehr kompakte und gut organisierte defensive zu schaffen. Die Stuttgarter konnten in den entscheidenden Situationen ballnah den Raum sehr gut verknappen. Darüber hinaus wurde jegliches Herausrücken aus der Kette diagonal sehr gut abgesichert und Hoffenheim hatte so keine Möglichkeit zwischen die Linien zu gelangen.

Die TSG hingegen muss im Rennen um den vierten Platz und damit die Qualifikation zu Champions League nun das letzte Spiel gewinnen. Zwar dominierte die TSG die Partie durch ihr starkes Gegenpressing. Jedoch fehlte es in Ballbesitz an der nötigen Ruhe und Geduld um gegen Stuttgart Chancen zu kreieren. Die individuellen Fehler waren letztlich entscheidend für die Niederlage in der Landeshauptstadt.

 

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