Die Diskussion um den Pass

Seit kurzem möchten wir auf TheFalseFullback mehr Artikel zum Thema Training anbieten. Auch ich war für drei Jahre ehrenamtlich als Trainer in meinem Heimatverein in der Kreisliga aktiv, habe dabei zwei Jahre lang eine D-Jugend und ein Jahr eine C-Jugend trainiert.

Ich selbst habe einige Fehler gemacht und noch viel mehr Fehler gesehen, die Trainer bei der Gestaltung des Trainings gemacht haben. Auch deshalb möchte ich mich weiterbilden und dieses Wissen hier teilen. Mein Ansatz war es, so gut wie alles in Spielformen zu trainieren und nur vereinzelt einschleifende Übungen zu nutzen. Damit war ich zu Beginn das krasse Gegenteil zu vielen anderen Trainern vor Ort. Nicht nur als Trainer, auch als Spieler habe ich oftmals einschleifende Pass- und Torschussübungen gesehen.

Ich bin jung und diskutiere noch heute sehr gerne. Dementsprechend ließ ich immer wieder durchsickern, dass es effektiver ist auch das Passspiel möglichst spielnah zu trainieren. Zwei Argumente bekam ich dann immer zu hören; Wir sind in der Kreisliga, da musst du das mit Passübungen trainieren, das haben wir schon immer so gemacht. Zweites Argument, du hast doch keinen Trainerschein, wie willst du das dann wissen.

Das erste Argument ist meiner Meinung nach Schwachsinn. Beim zweiten Argument hatte ich immer eine schlechte Position, leider habe ich bis heute immer noch keinen Trainerschein, die Uni und die Arbeit nimmt zu viel Zeit ein.

Warum ich trotzdem denke, dass Passübungen alleine nicht reichen, um das Passspiel eines Spielers zu verbessern, möchte ich hier darlegen. Speziell meinen Gedankengang.

Wissen 2
Grafik mit den Stufen des Fußballwissens

Wie bei allem im Fußball ist das meine aktuelle Sichtweise der Dinge. Sichtweisen ändern sich ständig, je mehr man über diesen Sport lernt.

 

 

 

 

 

Wie wird das Passspiel aktuell trainiert?

In den letzten Jahren hat sich vieles geändert, auch in der Kreisliga nutzen immer mehr Trainer Spielformen im Training, um ihre Spieler zu verbessern. Die differenzielle Lernmethode und implizites Lernen sind für viele keine Fremdbegriffe mehr oder sie machen ohne die Methoden zu kennen einfach so Fortschritte. Allerdings überwiegt die Zahl der Trainer, die einschleifend trainieren. Besonders im Jugendbereich vieler lokaler Vereine.

Viele würden jetzt sagen, die Spieler dort werden sowieso keine Profis. Meiner Meinung nach sollte aber jede Person versuchen das Maximum aus sich herauszuholen. Außerdem kommen die meisten Kinder doch zum Fußball, weil sie spielen möchten und nicht, um um Hütchen zu rennen.

Wie sieht aktuell das Training des Passspiels aus?

Viele Trainer setzen auf verschiedene Übungen. Alle haben das gleiche Ziel, möglichst viele Wiederholungen mit immer dem gleichen Ablauf. Meistens finden diese Passübungen komplett ohne Gegnerdruck statt. Die perfekte Ausführung des Passes soll so trainiert werden.

Gerade der fehlende Gegnerdruck und die fehlende Nähe zum realen Spiel sind Dinge, die an dieser Art zu trainieren kritisiert werden können. Gerade wenn diese Passübungen den zentralen Bestandteil einer Trainingseinheit oder des Trainings des Passspiels ausmachen.

Für mich wirkte es immer, als sei das Hauptproblem die fehlende Definition von einem Pass. Ich denke, jeder hat so grob eine Ahnung wie er einen Pass beim Fußball definieren würde. Wikipedia definiert einen Pass wie folgt:

 

„Unter einem Pass versteht man im Fußball das Zuspiel des Balls an einen Spieler der eigenen Mannschaft.“

 

Als Pass wird also stets die motorische Ausführung verstanden. Vielen ist darüber hinaus bewusst, dass das Timing und die Präzision genauso entscheidend für einen guten Pass sind, wie der richtige Raum in den der Pass gespielt wird. Allerdings bleibt die motorische Ausführung als Hauptbestandteil eines Passes im Kopf hängen, vielleicht konzentrieren sich auch deshalb so viele Trainer ausschließlich auf die Ausführung, die mit vielen Wiederholungen in einschleifenden Passübungen trainiert werden kann.

 

Eine Definition eines Passes

Um effektiv spielnah zu trainieren, sollten grundsätzliche Abläufe während des Spiels verstanden werden. Sei es die Nutzung bestimmter taktischer Maßnahmen, strategische Ideen oder Technik während des Spiels. Um das Passspiel effektiv zu trainieren, sollten wir uns deshalb ersteinmal Gedanken über das Passspiel während des eigentlichen Spiels machen. Zu einer guten Aktion mit Pass gehört nämlich deutlich mehr als nur die motorische Ausführung.

Grafik 1

Der eigentliche Pass muss davor bereits gut vorbereitet sein, durch die richtige Positionierung, eine gute Wahrnehmung des Spiels und der richtigen Ballannahme. Darüber hinaus muss die richtige Entscheidung durch den Ballführenden getroffen werden. Spiele ich jetzt einen Pass? Und wenn ja, zu welchem Mitspieler? In welchen Raum? Auf welchen Fuß? Wie stark oder schwach? Spiele ich einen hohen oder einen flachen Pass?

Erst dann folgt der eigentliche Pass, die motorische Ausführung, die natürlich gut umgesetzt werden muss. Auch nach einem erfolgreichen Pass muss der Spieler sich sofort wieder richtig anbieten. Auch dass gehört zu der Aktion eines Passes dazu.

 

Was davon steckt in der simple Passübung?

In einschleifenden Passübungen ist es unmöglich alle fünf Aspekte zu trainieren. In der klassischen Passübung, die so viele Trainer in Deutschland nutzen, wird nur die motorische Ausführung ohne Gegnerdruck trainiert.

Natürlich ist auch dieser Bestandteil wichtig, natürlich, wenn die technische Ausführung des Passes schlecht ist, dann ist es unmöglich erfolgreichen und schönen Fußball zu spielen. Allerdings bedeutet eine gute Passtechnik alleine nicht, dass man auch ein gutes Passspiel hat. Insbesondere, wenn man ohne Gegnerdruck trainiert.

Grafik 2

In der simplen Passübung wird meistens nur auf die Ausführung des Passes geachtet. Zu selten legen Trainer den Fokus auf die Ballannahme. Natürlich kann die Ballannahme am Hütchen vorbei als Spielsituation wahrgenommen werden, allerdings gibt es eben keine Konsequenzen wenn ein Fehler unterläuft.

Man kann die Passübung anpassen, indem man passive- oder halbaktive Gegenspieler an jedes Hütchen positioniert. So ist die ganze Situation realistischer und der Spieler lernt implizit welche Auswirkungen eine Ballannahme in die jeweilige Richtung hat. Auch vom Trainer aus kann die richtige Ballannahme gecoacht werden. Gleiches gilt auch für Folgeaktionen nach einem Pass.

Pep Guardiola nutze bereits Passübungen in denen Spieler selbst Entscheidungen treffen mussten, immer in Abhängigkeit von der Aktion davor. Allerdings lässt sich die Entscheidungsfindung nie in dem Maße trainieren, wie unter Gegnerdruck in kleineren Spielfeldern und/oder realistischen spielnahen Spielformen. Alles in allem ist es schwierig in einer Passübung alle fünf Aspekte des Passspiels zu trainieren.

Deshalb sollte ein spielnaher Ansatz gewählt werden, nur mit Gegnerdruck und Spielsituationen lassen sich alle Aspekte in einer Aktion trainieren. Diese Spielformen müssen immer an das Niveau der Spieler angepasst werden. Sie sollten nicht dauerhaft überfordert werden, auch wenn dies manchmal nicht schadet.

Fazit

Heißt das jetzt, dass Passübungen gar nicht mehr vorkommen sollen? Nein, denn auch Passübungen haben ihre Berechtigung. Um die grundsätzliche motorische Fähigkeit zu trainieren, sind Passübungen definitv nützlich. Jedoch sollte eine spielferne Passübung in der es ohne Kontext darum geht von Spieler A zu Spieler B zu passen, nicht Hauptbestandteil eines Trainings sein. Passübungen können doch halb-aktive Gegenspieler oder gewisse Entscheidungsregeln auch durchaus sinnvoll genutzt werden. Wie das genau ausschauen kann, erfahrt ihr in den nächsten Monaten auf unserem Blog, der sich in Zukunft mehr mit der Trainingsarbeit beschäftigen wird.

Dies sollte eine kleine Einführung in die Thematik sein und zeigen, dass es wichtig ist sich Gedanken über die Details der Technik zu machen. Man kann es als kleines Plädoyer gegen einschleifende Übungen sehen oder als eine Beführwörtung von spielnahem Training. Letztlich bleibt festzuhalten, dass für jeden Trainer das Spiel als Ausgangspunkt jedes Trainingsaspektes gesehen werden sollte. Auch deshalb ist das isolierte trainieren einzelner Aspkete in einer Sportart wie Fußball so schwierig, da es immer ein Zusammenspiel aus vielen verschiedenen Einflüssen ist.

 

Advertisements

2 Gedanken zu “Die Diskussion um den Pass

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s