El rondo – Més que un Trainingsübung Teil 1

Vier Blaue Hütchen markieren ein kleines Quadrat auf dem Rasen. Innerhalb des Quadrates tummeln sich 11 Fußballspieler. Zwei von ihnen versuchen immer wieder den Ball zu berühren, aber kurz bevor sie ihn erreichen können wird der Ball weitergepasst. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Als der Torhüter den Ball einem der heraneilenden Spieler durch die Beine spielt, scheint der Jubel keine Grenzen mehr zu kennen. Wenige Stunden später werden diese Spieler den Champions League Pokal in den Händen halten.

In beeindruckender Art und Weise schlug der FC Barcelona im Jahr 2011 den englischen Rekordmeister Manchester United im Finale der UEFA Champions League. „Sie hypnotisieren dich mit ihrem Passspiel“, gab ein resignierter Sir Alex Ferguson nach dem Spiel zu Protokoll. Immer wieder ließen die Katalanen den Ball mit Kurzpassstafetten laufen und die Red Devils hetzten ihm hinterher, ohne dass der Eindruck entstand, sie hätten tatsächlich eine Chance ihn zu erobern. Am Ende des Spiels hatten die Spieler des FC Barcelona 777 Pässe gespielt, allein 148 davon ihr Mittelfeldstratege Xavi.

Die beschriebene Szene aus dem Aufwärmprogramm im Vorfeld des Spiels verkörpert den Fußball von Pep´s Barcelona wie kaum eine andere, auf YouTube wurde das Video dazu millionenfach angeschaut. Doch wie kann eine Trainingsübung, die auch bei unterklassigen Vereinen regelmäßig zum Einsatz kommt, einen Nutzen für eine der besten Fußballmannschaften aller Zeiten darstellen?

In den folgenden beiden Artikeln soll sich der Faszination el rondo angenähert werden. Dazu sollen in einem ersten Teil zunächst theoretische Aspekte der Trainingsübung herausgearbeitet werden. Im zweiten Teil des Artikels soll das vielfältige Potential der Übung an Beispielen aus der Trainingspraxis veranschaulicht werden. Theorie und Praxis sollen hierbei jedoch keinesfalls zwei strikt voneinander getrennte Bereiche darstellen, vielmehr bedingen sie sich immer wieder gegenseitig.

El rondo in der Theorie

„Es dreht sich alles um rondos. Jeden einzelnen Tag. Das ist die beste Übung, die es gibt. Du lernst Verantwortung zu tragen und den Ball zu halten. Zack, zack, zack. Immer mit einem Kontakt. Schnell denken und freien Raum finden.“ – Xavi Hernández

Die Grundidee des rondos ist schnell erklärt: Eine Mannschaft in Überzahl versucht den Ball gegen eine Mannschaft in Unterzahl zu halten. In der Grundform versuchen drei Spieler den Ballbesitz gegen einen Verteidiger zu sichern. Typischerweise findet dies in einem quadratischen Feld statt. Sowohl die Feldform, als auch die Spielerzahl können jedoch variieren.

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Als Erfinder des rondos gilt der frühere Jugendtrainer des FC Barcelona Laureano Ruiz. Auf Grundlage von Spielanalysen (insbesondere des ungarischen Nationalteams der 50er Jahre) entwickelte er zu dem von ihm angestrebten Spielstil passende Trainingsformen. Aus einer Spielform in der 2 gegen 2 gespielt wurde und ein neutraler Spieler das Paar in Ballbesitz unterstütze, entwickelte Ruiz eigenen Aussagen nach el rondo. Das Ziel der Übung bestehe laut Ruiz darin sich freizulaufen, was eine gewisse Ironie birgt, da das rondo vielerorts zu einem stehenden Ballhaltespiel verkommt.

„Das rondo ist physisch anspruchsvoll, arbeitet an der Technik und stellt offensiv- und defensivtaktische Fragen [an die Spieler]“, schreibt Ruiz. Im Folgenden soll erläutert werden wie in rondos Kondition, Technik und Taktik gleichzeitig trainiert werden können, was laut DFB-Ausbildungskonzeption ein zentrales Merkmal von Trainingsformen darstellen sollte. Diese umfassende Gestaltung einzelner Übungen hat insbesondere auch Vorteile für unterklassige Vereine, da dort oft die Zeit fehlt um Kondition, Technik und Taktik isoliert zu trainieren. In Spielformen wie el rondo können alle drei Aspekte simultan trainiert werden.

Auf konditioneller Ebene können mit dem rondo vor allem die Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit trainiert werden. Alle Handlungen stellen dabei fußballtypische Bewegungen dar und können so beim Aufbau der Fußballkondition helfen. Vor allem die Spieler in der Mitte müssen Laufarbeit verrichten, welche zu einem großen Teil aus kurzen intensiven Sprints besteht. Aber auch die Spieler der Überzahlmannschaft müssen durch Freilaufbewegungen Anspieloptionen bieten und verrichten so Laufarbeit. Durch die geringe Spielerzahl müssen die einzelnen Bewegungen in einer deutlich höheren Frequenz ausgeführt werden als im realen Spiel oder Spielformen mit großen Gruppen.

Rondos bieten zudem die Möglichkeit eines spielnahen Techniktrainings. Insbesondere die Passtechnik kann trainiert werden. Neben der Anwendung verschiedener Passtechniken, kann die Technik beim direkten Spiel oder die Beidfüßigkeit fokussiert werden. Es sollte hierbei versucht werden den Pass in den Fuß zu spielen, welcher sich näher zur angestrebten Spielrichtung befindet, um eine schnelle Spielfortsetzung zu erzielen. Auch die Technik bei der Ballverarbeitung (Ballan- und Mitnahme) wird in rondos trainiert.

Ein besonderes Augenmerk sollte hierbei auf einem sauberen ersten Kontakt liegen und der Ballannahme in offener Stellung bzw. die Ausrichtung der eigenen Körperposition bei der Ballannahme, um eine erfolgreiche Spielfortsetzung gewährleisten zu können. Gemäß der differentiellen Lernmethode geht es bei rondos nicht um das Einschleifen einer theoretischen Idealtechnik, sondern um die Erzeugung von Schwankungen und die Reaktion auf diese. Die Spieler sollen die Technik spielnah erlernen, um diese dann situationsadäquat anwenden zu können.

Im taktischen Bereich können sowohl individual- als auch gruppentaktische Aspekte trainiert werden. Dabei können sowohl das Verhalten in eigenem Ballbesitz, als auch bei Ballbesitz des Gegners gecoacht werden. Je nach Variation des rondos können auch die Umschaltmomente fokussiert werden. Coachingpunkte beim Spiel gegen den Ball können das Timing beim Anlaufen, sowie die Nutzung des eigenen Deckungsschattens sein. Wird mit mehr als einem Verteidiger gespielt rückt die gruppentaktische Interaktion mit den anderen Verteidigern in den Mittelpunkt.

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Grundlagen des ballorientierten Verteidigens können implizit erarbeitet werden, beispielsweise das gegenseitige, diagonale absichern oder das leiten gegnerischer Pässe auf mögliche Schwachpunkte, von denen der Ball leichter erobert werden kann. Durch die Unterzahl können die Verteidiger keine strikte Manndeckung spielen und werden gezwungen, ball- und raumorientiert zu verteidigen. Für die Mannschaft in Ballbesitz ist es, wie im realen Spiel auch, essentiell Überzahl in Ballnähe zu erzeugen. Eine passende Staffelung, um den Ball hilft nicht nur den eigenen Ballbesitz zu sichern, sondern ermöglicht zudem bei Ballverlust ein effektives Gegenpressing. Hierfür ist die Bildung von Dreiecken um den ballführenden Spieler notwendig, wobei die Winkel so zu wählen sind, dass ein Gegenspieler nicht zwei Anspielstationen in seinen Deckungsschatten nehmen kann.

Individualtaktisch kann sich zudem auf passende Freilaufbewegungen konzentriert werden, gruppentaktisch kann das Freiziehen von Passkanälen oder das Anlocken von Gegenspielern mit kurzen Pässen, um anschließend verlagern zu können, geschult werden. Werden die Positionen im rondo nicht starr vergeben, wird außerdem implizit das Umblickverhalten der Spieler geschult.

Ein zentrales Element aller rondo-Varianten ist das Training der Entscheidungsfindung. Für die Spieler gilt es immer wieder die Frage „wann passe ich wie zu welchem Mitspieler“ zu beantworten. Aber nicht nur der Passgeber, sondern auch die potentiellen Passempfänger und Verteidiger werden permanent in spielnahe Entscheidungssituationen gezwungen. Anders als bei einschleifenden Passübungen mit vorgegebener Passfolge müssen sich die Spieler unter Raum-, Zeit- und Gegnerdruck immer wieder auf neue Spielsituationen einstellen.

Die Entscheidungen sind hierbei immer in Abhängigkeit zu der sich schnell verändernden Umwelt zu treffen, Referenzpunkte für die Entscheidungsfindung können der Raum, der Ball, die Gegenspieler und die Mitspieler darstellen. Die so erzeugten Schwankungen führen im Sinne der differentiellen Lernmethode zu äußerst positiven Trainingseffekten (ausführliche Informationen zur differentiellen Lernmethode und dem impliziten Lernen finden sich in den herausragenden Arbeiten von René Marić und Marco Henseling, welche im Literaturverzeichnis genannt sind). Darüber hinaus schulen rondos die Wahrnehmung, sowie die Beherrschung diverser koordinativer Fähigkeiten. Vor allem die Antizipations- und Orientierungsfähigkeit.

Neben diesen trainingstheoretischen Überlegungen gilt es das Übungsdesign des rondos an sich zu reflektieren. Hierzu bietet Trainer und Taktikexperte David Goigitzer eine Kategorisierung von rondos an. So unterscheidet er zwischen ballvortragenden und ballbesitzerhaltenden rondos. Während bei ballbesitzerhaltenden rondos das Ziel die Sicherung des eigenen Ballbesitzes ist, soll bei ballvortragenden rondos eine festgelegte Zielzone erreicht werden. Zwischen den beiden Idealformen gibt es eine Reihe an Hybridformen, welche sowohl ballbesitzerhaltende als auch ballvortragende Elemente beinhalten.

Neben einer Kategorisierung der rondos als Ganzes lassen sich auch die Pässe innerhalb des rondos kategorisieren. Jed Davies definiert hierfür drei verschiedene Arten von Pässen. Der 1st line pass überspielt keinen Gegenspieler und ist in der Regel an einen direkt neben dem Passgeber befindlichen Empfänger adressiert. Der 2nd line pass überspielt (mindestens) einen Gegenspieler. Dies geschieht jedoch nicht durch das Zentrum, sondern außen an den Gegenspielern vorbei. Mit dem 3rd line pass werden die Verteidiger durch das Zentrum überspielt, der Ball wird zwischen zwei Verteidigern hindurch gespielt.

Laut Davies sollten vor allem die letzte Kategorie der Pässe angestrebt werden. Zu beachten gilt hier jedoch das richtige Timing zu finden und erst wenn die Verteidiger weit genug auseinandergezogen wurden den Pass durch die Mitte zu suchen. Anhand der unterschiedlichen Passtypen können zudem taktische Aspekte thematisiert werden. Zum Beispiel kann der Unterschied zwischen dem um eine gegnerische Formation herumspielen und dem penetrierenden Passspiel in eine gegnerische Formation hinein verdeutlicht werden.

Eine weitere Differenzierung des Passspiels stammt vom früheren Barcelona-Trainer Carles Rexach. Dieser forderte von seinen Spielern in den rondos den Ball mit einem „Mig Toc“ (halbe Berührung) weiterzuleiten. Rexach verstand darunter die Weiterleitung eines ausreichend hart gespielten Passes. Dem Ball wird dabei kein neuer Impuls gegeben, sondern lediglich die Richtung des Passweges geändert. Als Folge wird die benötigte Zeit um den Ball weiterzuspielen verringert, das rondo wird beschleunigt.

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Auf lerntheoretische Vorteile beim Training in Spielformen wie el rondo soll an dieser Stelle nur kurz eingegangen werden (ausführliche Erläuterungen dazu finden sich hierzu ebenfalls in den genannten Arbeiten von René Marić und Marco Henseling). Lediglich auf die besondere Rolle von Motivation, Volition und Emotion beim Lernen sei verwiesen. Dadurch, dass kaum ein Spieler beim rondo gerne in der Mitte sein möchte, werden die Spieler motiviert möglichst erfolgreiche Handlungsentscheidungen zu treffen.

In der Spielform erfolgt ein direktes Feedback, ob die angewendete Strategie Erfolg oder Misserfolg gebracht hat. Zudem sind mit dem Trainieren in abwechslungsreichen Spielformen wie el rondo, oftmals positive Emotionen verbunden, welche neben einer positiven Gruppendynamik auch Vorteile bei Lernprozessen mit sich bringen.

Fazit

„Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung“ lautet ein bekanntes Zitat Leornardo da Vincis. Was bei den Spielern des FC Barcelona im Spiel so einfach aussieht ist jedoch das Ergebnis jahrelangen Trainings. Ein prägendes Element stellt hierbei das berühmte Kreisspiel el rondo dar. Um dieses in der Trainingsarbeit zielgerichtet einsetzen zu können ist ein theoretisches Grundwissen über die Spielform, aber auch über Trainingslehre im Allgemeinen unabdingbar. Im zweiten Teil des Artikels soll die Theorie auf die Trainingspraxis übertragen, Variationsmöglichkeiten des rondos diskutiert und Anwendungsbeispiele vorgestellt werden.

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